„Labsal für die Seelen“ aller Beteiligten: Opernsänger trat für das Bornaer Altenpflegeheim „Carl Heinrich“ auf

14.06.2021

Classic Open Air im Altenpflegeheim „Carl Heinrich“: Im Garten der Bornaer Einrichtung trat letztens der Konzert- und Opernsänger Daniel Blumenschein auf. Einige Bewohnerinnen und Bewohner lauschten am geöffneten Fenster oder auf der Terrasse. Immerhin rund 40 – das ist fast die Hälfte des Hauses – versammelten sich im Freien. Manche hatten sich extra schick angezogen, denn ein Opernsänger tritt schließlich nicht alle Tage vor der Haustür auf. Und einigen war der Name des Künstlers durchaus ein Begriff. Daniel Blumenschein sang bekannte Klassiker wie „Ännchen von Tharau“, „Sah ein Knab ein Röslein stehn“ oder „Man müsste nochmal 20 sein“. Er zauberte den alten Menschen damit ein Lächeln aufs Gesicht, sie sangen mit und klatschten begeistert. „Das ist Labsal für meine Musikerseele“, erklärte der preisgekrönte Bariton, der normalerweise eher in Opernhäusern, im Gewandhaus oder auf Festivals auftritt. Im ersten Lockdown, als der freischaffende Künstler plötzlich zum Nichtstun gezwungen war, hatte er eines Abends eine Idee: Er stellte sich bei 4 Grad Celsius und Nieselregen auf seinen Balkon und sang für das benachbarte Pflegeheim in Leipzig.

Opernsänger Daniel Blumenschein beim Auftritt für das Bornaer Altenpflegeheim Carl Heinrich

Wie die alten Menschen damals still litten und was die Pflegekräfte leisteten – das sei ihm sehr nahegegangen. „Das Einzige, was ich ihnen geben kann, ist meine Musik“, erklärte er. „Damit kann ich ihnen etwas schenken und tue gleichzeitig mir selbst etwas Gutes.“ Also baute er mit seiner befreundeten Agentin Uta Lisse solch Open-Air-Konzerte für Pflegeeinrichtungen aus. In größeren Städten ließ sich dies durch Sponsoring finanzieren, auf dem flachen Land war das schwieriger. Deshalb bewarb sich Blumenschein um ein von der Bundesregierung gefördertes Stipendium im Rahmen von NEUSTART KULTUR mit dem Arbeitstitel „LANDLUFT – Musik wird auf dem Land erklingen“. 15 Konzerte konnte er dadurch im Leipziger Umland geben. Die Bewohnerinnen und Bewohner im „Carl Heinrich“ genossen dies sehr. „Es war wirklich eine schöne Stunde“, sagte Brigitte Scheppan. Und auch Dana Mäding – Leiterin der Einrichtung der Diakonie-Tochter Heimverbund Leipziger Land gemeinnützige GmbH – freut sich, dass jetzt wieder ein Stückchen Normalität einzieht. „Schön, dass mehr gemeinsam und bei dem schönen Wetter auch im Freien möglich ist“, sagt sie. „Es geht aufwärts.“