„Die alten Menschen brauchen in erster Linie Liebe“: Wertvoller Einsatz von Ukrainerinnen in Pflegeheimen des Diakonie-Verbunds
09.04.26
Den Zettel hat eine Bewohnerin gestaltet: mit Herzen und der Aufschrift „Danke“. Tetiana Korolova trägt ihn immer bei sich, in der Kitteltasche nah am Herzen. Das schöne Feedback der älteren Menschen tut gut und hilft ein bisschen über die Sorgen hinweg, die sie sich um ihre Angehörigen daheim macht. Sie ist vorm Krieg in der Ukraine geflohen und arbeitet im Seniorenpflegeheim „Borna-West“. Insgesamt sind in den Häusern des Diakonie-Verbundes zehn Menschen aus dem kriegsgeschundenen Land beschäftigt. Zu den Einsatzorten zählen neben Pflegeheimen auch die dortigen Küchen.

Nach einem Deutschkurs hat Tetiana Korolova über das KAI*-Programm im „Borna-West“ zunächst ein Praktikum absolviert. Derzeit ist sie als Pflegehilfskraft tätig – ein krasser Unterschied zu ihrer Arbeit in der Ukraine, wo sie als Biochemikerin in der Rechtsmedizin gearbeitet hat. „Ich bin Deutschland dankbar, weil es mich willkommen geheißen und mir Arbeit gegeben hat“, so Tetiana Korolova.
Die Dichte an Altenpflegeheimen hierzulande ist ungewohnt für sie, denn in der Ukraine wird mehr zu Hause gepflegt. Eine Pflegeversicherung gebe es nicht, außerdem hätten die Heime keinen guten Ruf, erzählt sie. Die Sprachbarriere sei kein Problem. „Ich verstehe alles“, sagt sie. „Die alten Menschen brauchen in erster Linie Liebe.“ Und die kommt bekanntlich auch ohne viele Worte aus. Sie könne sich gut verständigen, außerdem ist das Handy mit dem Übersetzer schnell gezückt.
Tetiana Korolova zeigt darauf stolz ein Foto ihrer Tochter, die zurück nach Kiew gegangen ist. Hier lebt sie ohne Heizung und Strom, mit Drohnenalarm fast jede Nacht. Aber damit arrangiert sie sich, weil sie als Anwältin in ihrem Beruf arbeiten kann, in Deutschland war das schwierig. Ihre Mutter Tetiana hingegen sieht ihre Zukunft in Borna: an der Seite ihres Freundes – mit dem sie eine deutsch-ukrainische Liebesgeschichte verbindet – und in ihrem neu entdeckten Berufsfeld, der Pflege, wofür sie sich nach Erreichen des nächsten Sprachkurs-Levels als Fachkraft ausbilden lassen möchte.
Auf die Unterstützung von Heimleiterin Janina Kühnert-Rock kann sie dabei zählen: „Tetiana ist so engagiert, sie kann das schaffen.“ Ihr Einsatz sei wertvoll für das Haus. „Es ist gut, dass sie da ist.“
*Kurs – Arbeit – Integration (KAI): ein Projekt von kommunalem Jobcenter, Volkshochschule und Landkreis Leipzig zur Unterstützung von Migrantinnen und Migranten bei der Arbeitsvermittlung.

