03.03.26

Ein mutiger Schritt in die Pflege am anderen Ende der Welt: Diakonie-Verbund bildet sechs vietnamesische Fachkräfte aus

Inzwischen ist Thi Thu Ha Nguyen in Deutschland angekommen. Dass merkt man nicht nur daran, dass sie sogar ein bisschen sächsisch sprechen kann und am liebsten Bratwurst isst, wie sie schmunzelnd erklärt. Auch an ihrem neuen Arbeitsplatz im Altenpflegeheim „Carl Heinrich“ Borna – eine Einrichtung der Diakonie-Tochter Heimverbund Leipziger Land gemeinnützige GmbH – fühlt sie sich richtig wohl. Hier absolviert sie den praktischen Teil ihrer Ausbildung zur Pflegefachkraft.

Vietnamesische Pflege-Auszubildende mit älterer Dame im Rollstuhl

Der Start bei einem Pflegedienst in Altenburg, der seinen Azubis monatelang keine Löhne gezahlt haben soll, war alles andere als einfach. Nach einem Hilferuf der Schule, die schließlich für insgesamt rund 20 vietnamesische Auszubildende einen neuen Träger gesucht hatte, übernahm der Verbund der Diakonie Leipziger Land sechs davon. Darunter ist auch Thi Thu Ha Nguyen, die im „Carl Heinrich“ nur „Ha“ genannt werden möchte. „Hier ist es so viel besser“, sagt sie aufatmend. „Man kann mit allen gut reden und viele Erfahrungen sammeln.“ Es gibt Praxisanleiterinnen, die immer ein offenes Ohr haben und mit anderen Azubis wohnt sie in einer WG, wo am Wochenende gemeinsam gekocht wird.

Direkt nach der Oberschule absolvierte sie in ihrer Heimat einen einjährigen Deutschkurs und dann ging es auch schon los: allein ans andere Ende der Welt, in eine unbekannte Kultur und Klimazone, für eine Ausbildung in einer Fremdsprache. Ein mutiger Schritt, bei dem sie von Anfang an vor allem die Chancen und das „neue Leben“ sah: „Ich wusste, ich kann das schaffen.“ Deutschland sei „ein schönes Land“ und zum erstem Mal habe sie Schnee gesehen. Überhaupt liebe sie die Jahreszeiten und natürlich die Arbeit mit den alten Menschen. „Ich habe mich für diesen Beruf entschieden, weil ich anderen helfen möchte.“ Professionelle Pflege gebe es auch in Vietnam, hier würden allerdings wesentlich mehr Menschen zu Hause betreut.

Im Bornaer Altenpflegeheim spricht man in höchsten Tönen von den vietnameschen Azubis. Mit ihrer Freundlichkeit und ihrem Lächeln haben sie schnell die Herzen gewonnen. Natürlich war es mit der Sprachbarriere gerade am Anfang nicht einfach, aber notfalls halfen Google-Übersetzer, Hände, Füße und Improvisation. Wichtige Dinge werden möglichst via E-Mail kommuniziert. „Sie sind so wissbegierig und lernwillig“, lobt Heimleiterin Dana Mäding. „Hut ab, dass sie sich dieser Herausforderung stellen.“ Sie und ihr Team haben alles dafür getan, ihnen den Start in Borna zu erleichtern. Sie organisierten eine Stadtführung, vermittelten einen Hausarzt und die Heimleiterin persönlich begleitete aufs Einwohnermeldeamt. Inzwischen seien sie „richtig gut“ ins Team integriert.

Ha ist dafür sehr dankbar. Nach Abschluss ihrer Ausbildung möchte sie gern zurück nach Vietnam – aber nur für einen kurzen Urlaub. Ihre Zukunft sieht sie in Deutschland, als Pflegefachkraft bei der Diakonie.